Voigtländer Bessa R mit Ultron 35mm f1.7 aspherical


Wie ich vor kurzem auf Twitter berichtete ist die Voigtländer Bessa R mit dem Weitwinkelobjektiv Voigtländer Ultron 35mm f1.7 asph. bei mir eingetroffen. Viele mögen nun erwarten, dass ein Bericht über eine Digitalkamera erfolgt. Dem ist aber nicht, da die Bessa Reihe komplett der analogen Fotografie verschrieben ist. Wie Kai bin auch ich der Meinung dass die analoge Fotografie definitiv nicht missachtet werden sollte, da Film immer noch einen einzigartigen Charakter hat. Ich will aber nicht vom Thema abschweifen und meinen Ersteindruck der Messsucherkamera abgeben.

Die Bessa R mit Ultron 35mm

Die Bessa R mit Ultron 35mm

Als ich die Bessa R zum ersten Mal aus dem Versandkarton geholt habe ist mir sofort die Leichtigkeit der Kamera aus dem Hause Cosina mit dem Label Voigtländer aufgefallen. Nach einem Blick ins Handbuch stellte ich fest, dass sie 395g wiegt und somit nicht unbedingt zu den leichtesten Messsucherkameras gehört. Als Schlussfolgerung muss ich also sasgen, dass die Kamera für meine großen Hände wirklich perfekt geeignet ist und sich das Gewicht so gleichmäßig verteilt, dass die fast 400g nicht sonderlich auffallen. Beim Testen sind auch lange Belichtungszeiten möglich gewesen, ohne dass ich aktiv darauf achten musste das Eigengewicht der Kamera auszugleichen.

Die Voigtländer Bessa R ist eine traditionelle analoge 24 x 36mm Filmkamera, welche Objektive vom Anschlusstyp M39 nutzt. Dieses Gewinde ist auch und dem Namen Leica L-Mount bekannt und es existieren viele Alternativen zu den Leica und Voigtländer Objektiven.

Einfach zu bedienen: großes Kino!

Einfach zu bedienen: großes Kino!

Wie Ihr schon auf dem Foto erkennen könnt hat die Bessa R keinerlei Schnick-Schnack zu bieten. Alles was man sieht hat seine elementare Funktion und wirkt stabil gebaut und gut durchdacht. Gehen wir einmal von der rechten Seite auf die Linke. Der Spannhebel wirkt sehr solide und ist aus Metall bzw. am Ende mit einem Hartplastikelement versehen (solide mit Schrauben angebracht), welches ein schnelles und leicht gleitenden Filmtransport ermöglicht. Zudem habe ich das Gefühl, dass der Spannhebel niemals wackeln wird und das Plastikelement Urzeiten überlebt (ganz im Gegensatz zu dem meiner alten Leica CL; schwammig und nach 2 Jahren abziehbar!). Über dem Spannhebel ist ein etwas zu klein geratener Bilderzähler gelandet, welcher bei schweren Lichtverhältnissen Geschick abverlangt, um diesen zu lesen. Daneben ist sogleich auch Der Auslöseknopf, welcher einen schönen Druckpunkt besitzt. Zudem besitzt er auch einen eigensinnigen Druckpunkt sobald der Spannhebel nicht aufgezogen ist, um ggf. dem Fotografen einen peinlichen “nicht auslöse”-Moment zu ersparen. Links daneben zu sehen ist das Zeitenwählrad. Die Funktion ist bekannt: hochziehen und drehen, um die ISO-Zahl des Filmes einzusstellen; drehen, um die Belichtungszeit einzustellen. Um hier einen Vergleich zu z.B. der Leica M8.2 zu ziehen benötigt man hier leider zwei Finger, um die Zeiten umzustellen, da das Rad nicht alszu leichtgängig ist. Bei der M8.2 reicht ein beherzter Finger. Da das Gehäuse aber relativ kompakt ist hat man diese zwei Finger für die Zeitenumstellung aber auch frei, ohne den Sucher vom Auge wegbewegen zu müssen.

Voigtländer Bessa R: over the top - für Puristen

Voigtländer Bessa R: "over the top" - für Puristen

Sucherrahmen bei 50mm

Sucherrahmen bei 50mm

Der Blitzschuh wackelt kein Bisschen und wirkt unkaputtbar. Zudem kann dieser bei einer Zeit von kleiner/gleich 1/125 Sekunde per Kabelanschluss an der Seite der Bessa R synchronisert werden. Der Sucherhebel stellt mit einem kleinem Klack die verschiedenen Sucherrahmen zu Verfügung und zeigt einem den zu fotografierenden Ausschnitt an. Leider steht ein wenig das Objektiv im Bild, was einer kompletten Bildbetrachtung bei 35mm etwas im Weg steht. Dafür gibt es aber sicherlich die Lösung des Aufstecksuchers. Weitere Sichervorgaben bietet die Voigtländer Bessa R auch noch für 75mm, für 35mm mit 90mm und für 50mm. Diese Versionen sind alle sehr hell und auch deutlich von weißlichen Oberflächen abzugrenzen. Im Inneren des Sucherfensters wird bei halben Durchdrücken des Auslösers angezeigt, obdas Bild “vermutlich” unterbelichtet, überbelichtet, perfekt belichtet oder eine Mischung aus zwei Versionen ist. Das schöne an dieser Belichtungsmessung ist die kontinuierliche Belichtungsmessung in einem Zeitraum von 12 Sekunden. Danach geht der Messer wieder in den Standby und wartet auf den nächsten Druck auf den Auslöser.

Klare Übersicht von Hinten

Klare Übersicht von Hinten

Wie man auf dem Bild erkennen kann hat die Voigtländer Bessa R einen kleinen Vorsprung an der Rückplatte der Kamera auf der rechten Seite. Dieser Vorsprung eignet sich hervorragend für die Ablage des Daumens und bringt zusätzlich zur bereits super Haptik einen Vorsprung in Dingen Halt und Sicherheit. Andere Kameras bieten einen Zusätzlichen Sockel zur Befestigung an der Vorderseite der Kamera. Dies verunstaltet aber diese meist und bringt einen Nachteil in Sachen Unauffälligkeit mit sich. An dieser kleinen Idee sollte sich alle Hersteller halten. Auf der linken Seite der Rückplatte ist ein kleines Fenster zu sehen, welches den Blick auf die Negativfilmrolle frei gibt. Die Frontseite der Kamera ist mit einer Art vulkanisiertem Leder versehen, welches Halt für Feuchte Finger bietet und (für mich wichtig :) ) schmutzabweisend ist.

In der Praxis macht sich die Voigtländer Bessa R in Kombination mit dem 35mm Ultron Objektiv sehr gut. Beide haben zusammen ein vergleichsweise gering wirkendes Eigengewicht und liegen super in der Hand. Es dauert aufgrund des hellen und großen Messsucher-Bereich im Sucher der Bessa kaum eine halbe Sekunde bis alles so eingestellt ist, dass nur die Belichtungszeit oder wahlweise die Blendenzahl noch eingestellt werden muss, um ein korrekt belichtetes Foto zu erlangen. Es hört sich so an, als wäre ich von Cosina bzw. Voigtländer bestochen worden. Wer aber diese analoge Kamera einmal in den Händen hält und mit ihr ein paar Fotos schießt, der möchte am liebsten die Bilder sofort entwickelt vor sich sehen, da das Bauchgefühl mit dieser Kamera einfach sehr gut ist.

Fazit: Die Voigtländer Bessa R zeichnet sich durch den Verzicht auf Schnick-Schnack und einer hervorragenden Bedienung aus. Sie bietet einen großen Halt und wirkt trotzdem nicht wie ein Panzer, dennoch sehr qualitativ Verarbeitet und wunderschön im Design. Coninas Motto war wohl: “Keep it simple but efficient” -> “Halts einfach, aber effizient”. Dieses Motto ist voll und ganz aufgegangen. Schade dass es kein digitales Pendant von Voigtländer gibt. Dieses würde ich mir mit Sicherheit kaufen. Jetzt werde ich aber wohl eine lange Zeit wieder auf Film fotografieren.

Rockhopper99 war Vorbesitzer der Bessa R und hat einige Photos mit und von ihr gemacht. Ihr müsst nur sein Profil etwas durchwühlen und findet noch mehr von und mit der Kamera.

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3 Kommentare

  1. Im Blickwinkel: Naked People, Analogfotografie und einer aus acht Millionen » von Besim Mazhiqi » photoappar.at sagt:

    [...] Die Voigtländer Bessa R ist eine traditionelle analoge 24×36mm-Filmkamera, mit der Florian ab jetzt fotografiert. Er hat einen ausführlichen Testbericht zur Kamera veröffentlicht, der richtig Lust auf die analoge Fotografie macht. via kamerabericht.de [...]

  2. Besim sagt:

    Deinen Testbericht finde ich sehr aufschlussreich und interessant. Auch wenn ich hier mit einer D700 arbeite, macht mir der Bericht über diese Kamera wieder richtig Lust auf die analoge Fotografie. Ich bin echt gespannt auf weitere Test und vielleicht auch Fotos, die Du mit der Kamera gemacht hast.

  3. theresa sagt:

    Dieser Artikel ist sehr interessant für mich.Ich will jetzt eine neue Kamera kaufen und diese Infos sind echt sehr nützlich für mich.Vielen Dank für den tollen Beitrag! Grüße,Theresa :)

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